Was liest man nicht alles über die Piratenpartei!
Die TAZ ärgert sich dem Anschein nach darüber, dass eine Partei Erfolg hat, die sich auf Feminismus- oder gar Gender-Debatten nicht einlässt, und statt dessen einfach die Nicht-Erfassung des Geschlechts (durch den Staat) fordert.
Tatsächlich ist es ja einigermaßen absurd gleichzeitig zu fordern dass das Geschlecht egal sein sollte und nur noch als soziales Konstrukt zu gelten habe, gleichzeitig aber ein Dickicht an Fördermaßnahmen vom biologischen Geschlecht abhängig zu machen wie es die Grünen tun. Die Piraten halten die "Das-Geschlecht-ist-egal"-Haltung hingegen konsequent durch, indem sie sich einfach weigern in der Kategorie Geschlecht zu denken.
Die Idee, dass eine Partei bzw. deren Wahllisten so zusammengesetzt, also konstruiert werden sollen dass sie die Gesellschaft insgesamt repräsentativ vertreten (mit Katzen-Freunde-Quote, Gluten-Allergiker-Quote, Migranten-Quote...) weisen die Piraten einfach als das zurück, was sie ist, nämlich als Hirngespinst und selten dämlich.
Bei der Süddeutschen Zeitung hat ein gewisser Niklas Hofmann ganz tief in die Kiste journalistischen Handwerkszeugs gegriffen und Fleißpunkte in Recherche gesammelt. Möglicherweise deshalb versucht er in seinem Artikel die Piratenpartei in die Nähe des Libertarismus zu rücken, was ich einigermaßen absurd finde, da allein der Gedanke an kostenlose Nahverkehrsmittel sich für jeden wahren Libertären grundsätzlich verbietet.
Die FAZ umschifft das Problem, die Piratenpartei einordnen zu wollen, indem sie sich einfach untersteht, so platte Fragen zu stellen wie die Konkurrenzblätter. Statt dessen nähern sich die Autoren der FAZ dem Thema Piratenpartei an, z.B. im Artikel "Die Linux-Demokratie" oder in einem Porträt des Berliner Piraten-Spitzenkandidaten.
Die Welt stellt Mutmaßungen an, wer oder was die Piraten sind, und scheint den Schluss zu ziehen dass Piraten Menschen sind die nachmittags vereinsamt in Kaffeeketten vor dem Laptop Tall Double Creamy Soy Milk Latte Caramel Macchiatto schlürfen. So genau scheint die Welt nicht zu wissen wie sie die Piraten thematisch packen soll und kommt über ein oberflächliches Sammelsurium von Allgemeinplätzen und Vermutungen nicht hinaus.
Die Zeit bearbeitet das Thema Piraten mit einer Vielzahl von Artikeln, also quasi nach dem Prinzip Schrotflinte, und trifft so quasi zwangsweise hin und wieder ins Schwarze. "Der Weckruf der Piraten" z.B. beschreibt durchaus treffend einige Kernthemen und damit ansatzweise "das Wesen" der Piraten.