Die TAZ ist eine linke Tageszeitung.
Sie hat allerdings ein Problem mit der Piratenpartei Deutschland, möglicherweise wegen der eigenen Nähe zu den Grünen.
Manchmal nimmt diese Abneigung absurde Züge an. Zum Beispiel, wenn nach Recherchen des ZDF eine halbe Familie in die Piratenpartei eintritt um ihren Verwandten zum Kreisvorsitzenden von irgendwas zu wählen, woraufhin dieser dann als erstes antisemitische Äußerungen von sich gibt.
Dann ist das für die TAZ natürlich kein Grund erstmal zu recherchieren, wie z.B. das ZDF, was wirklich passiert ist - dass nämlich ein Kreisverband der Piratenpartei von Spinnern überrannt wurde - sondern dann ist das ein handfestes Piratenparteinaziproblem und für den TAZ-Autor Daniel Schulz Grund genug, die Anti-ACTA-Kampagne der Piratenpartei unter Verweis auf diesen "Nazi-Skandal" in die Nähe von Nazi-Propaganda zu rücken, mit dem Hinweis darauf dass der Krake als Symbol dunkler Mächte schon von den Nazis für Hetzkampagnen genutzt worden sei.
Es scheint zwar richtig zu sein dass es ein bisher völlig unbekanntes antisemitisches Nazi-Plakat mit einem Kraken gab, aber der Krake als Symbol angeblicher "dunkler Mächte" wurde schon vor 1890 und seitdem von ganz verschiedenen Gruppierungen und zu ganz verschiedenen Zwecken verwendet.
Doch der eher niedliche Anti-ACTA-Comic-Krake repräsentiert keine Gruppe von Menschen, sondern einen international geheim ausgehandelten Vertrag. Darum gibt es hier keinen Ansatzpunkt für irgendeine Parallele zu Hetze gegen irgendwelche Gruppen. (Geheim-)Abkommen haben keine Würde, die durch eine Darstellung als Krake beeinträchtigt werden könnte. Es gibt schlicht keinen Bezug zur Verwendung des Kraken als Symbol durch die Nazis außer das auch Nazis Kraken als Symbol genutzt haben. Doch nicht alles was die Nazis verwendet haben ist dadurch automatisch "nazifiziert". Die TAZ z.B. verwendet die Farben schwarz, weiß und rot auf ihrer Webseite. So what?
Wie auch immer - die TAZ mag die Piraten einfach nicht, und vielleicht hat das einen Grund. Kürzlich beschwerte sich die mittlerweile zurückgetretene politische Geschäftsführerin der Piratenpartei in einem Blog-Post und in einem Fernsehbericht über absichtliche Falschdarstellungen in der TAZ über sie.
Die TAZ schrieb auch eine Art Gala-Homestory über sie. Mit diesem Artikel enttarnte sich die TAZ selbst als Teil der Frauen-diskriminierenden Medien-Maschinerie, die Frauen politisch nicht zu Wort kommen lassen, Frauen als Politiker nicht ernst nehmen und damit Frauen die Lust an der Politik verderben.
Die TAZ will womöglich diese Schmach nicht auf sich sitzenlassen. Aber was hätte die TAZ gegen die Frontfrau der Piraten, klug, politisch, beliebt schon sagen können, noch dazu weil sie eine von Nazis bedrohte Jüdin mit Migrationshintergrund ist, ohne sich noch tiefer in die Scheiße zu reiten und wie ein ganz schlechter Verlierer auszusehen? Wenig.
Vielleicht keilt die TAZ darum jetzt auf niedrigstem Niveau gegen die Piraten. Denn das eine Piratin der TAZ den Spiegel vorgehalten und sie lächerlich gemacht hat, dass kann die TAZ den Piraten einfach nicht verzeihen.
Kommentare
Häh?
Lest ihr die Texte bei den Piraten eigentlich noch bevor ihr darüber schreibt? In dem Krakentext steht eindeutig, dass der Autor den Antisemitismus-Vorwurf für überzogen hält, er findet es nur langweilig, dass die Krake eine so ausgeleierte Metapher ist.
Und Kevin kriegt halt sein Fett weg, in dem gleichen Duktus wie sein dummer Tweet geschrieben ist.Und den fanden auch die Piraten blöd.
Die TAZ bringt so schwache Artikel nicht ohne Grund
Hallo Anonymous!
Den TAZ-Artikel kann man beim nochmaligen Lesen natürlich auch "harmlos" auslegen.
Aber man muss auch hinterfragen dürfen was die TAZ mit dem Artikel eigentlich bezweckt. Warum schreibt jemand einen Artikel um zwei eigentlich irrelevante Fakten herum - ein Anti-ACTA-Logo und einen zurückgetretenen Kreisvorsitzenden - wenn nicht um den Piraten eins reinzuwürgen und zu hoffen, dass von der selbst angerührten verbalen braunen Pampe etwas an den Piraten hängenbleiben möge?
Die TAZ schreibt:
So ergeht es auch gerade wieder einem Logo, das die Piratenpartei 2010 im Kampf gegen das Urheberrechtsabkommen Acta erfand. Darauf eine Krake, die manches mit einer Karikatur aus dem NS-Hetzblatt Stürmer von 1938 gemein hat. Sind die Piraten deshalb Antisemiten? Zumindest fällt ihnen offenbar nix Neues ein.
Was steht da genau? Erstmal wird die Anti-ACTA-Krake absichtlich zusammen mit einer NS-Hetz-Karikatur aus dem Stürmer gezeigt und damit in die Nähe von Nazi-Propaganda gerückt. Und ob die Piraten Antisemiten sind oder nicht wird völlig offen gelassen. Dass der Autor den Antisemitismus-Vorwurf für überzogen hält steht nirgends.
Wenn der Grund für das Schreiben des Artikels gewesen sein sollte die Einfallslosigkeit der Piratenpartei zu kritisieren, dann wäre es völlig unnötig gewesen den ACTA-Kraken *ausgerechnet* mit einem Stürmer-Kraken in Beziehung zu setzen. Doch der Stürmer-Krake musste her um die Brücke zu schlagen zum Artikelteil über diesen Kevin, seine Kurz-Mitgliedschaft in der Piratenpartei und seine antisemitischen Äußerungen. Das bedeutet, der Artikel ist eigens konstruiert um Piratenpartei, NS-Kraken, Piraten und Antisemiten zusammenzubringen.
Darum nehme ich der TAZ diesen merkwürdigen Mix-Artikel auch übel. Aus einer legitimen und notwendigen Anti-ACTA-Kampagne mit einem Logo dass sich eines üblichen Symbols bedient macht man mit Hilfe der Überschrift "Hitlers achtarmige Helfer", der nicht verneinten Frage ob die Piraten Antisemiten seien und dem Verweis auf jemanden der mit Hilfe seiner Familie versucht hat die Piratenpartei zu infiltrieren einen kleinen Piraten-Nazi-Skandal.
Dass man eine Metapher für ausgeleiert hält ist kein Grund so einen Artikel zu schreiben. Das ist kein informativer Artikel, das ist keine Glosse, das ist kein Kommentar. Das ist ACTA, Hitler, Stürmer, Juden, Piratenpartei einmal durcheinandergerührt und in Artikelform gegossen. Für so einen schwachen Artikel gibt es keinen Grund, wenn nicht die Absicht den Piraten an den Karren zu fahren.
Peter