Ganz Europa hat Schulden; außer Slowenien scheint kein Staat schuldenfrei zu sein.
Sogar angebliche Musterstaaten wie Deutschland haben eine Schuldenquote von ca. 80% (d.h. die Schulden betragen 80% des Bruttoinlandsprodukts; bei Berücksichtigung der Beamtenpensionsansprüche etc. dürfte die Verschuldung aber eher bei 240% liegen), nun müssen Staaten gerettet werden um einen "Dominoeffekt" zu vermeiden.
Was bedeutet das? Es bedeutet, dass alle Staaten in Europa sich gegenseitig Geld geliehen haben um über ihre Verhältnisse zu leben. Dass ein "Domino-Effekt" befürchtet wird beweist, dass hier Kredite aufgenommen wurden für die es keine Sicherheiten gab, und Banken ohne Sicherheiten Kredite vergeben haben. Das bedeutet, es wurde über das durch das Wirtschaftswachstum hinaus gerechtfertigte Maß hinaus "Geld geschöpft".
Das bedeutet das große Teile des "Volksvermögens" aus Phantomwerten bestehen, das heißt: Banken, Firmen, Staaten, Privatanleger haben Anteile, Aktien, Staatsanleihen von Firmen, Banken und Staaten gekauft im falschen Glauben auf deren Zahlungsfähigkeit und im falschen Glauben daran, dass Sicherheiten für diese Papiere existieren würden. D.h. ein großer Teil des Volksvermögens, vor dessen "Vernichtung" durch eine Eurokrise manche Angst haben, ist ein Phantomvermögen, eine einzige Spekulationsblase, existiert überhaupt nicht. Der Euro ist also überbewertet, denn der angeblichen Kaufkraft des Euro steht eine Wirtschaft gegenüber, die nicht soviel Mehrwert schafft wie man mit sämtlichen Euro im Umlauf kaufen können müsste.
Nun gibt es zwei Möglichkeiten aus dieser Krise: Die erste Möglichkeit ist es, die kommenden Generationen die Schulden abzahlen zu lassen, d.h. die heute arbeitenden Menschen und kommende Generationen müssen mehr arbeiten und zahlen die Schulden und Zinsen ab für diejenigen, die über ihre Verhältnisse gelebt und das "Phantomvermögen" aufgehäuft haben.
Die zweite Möglichkeit ist Inflation. Der Euro wird solange abgewertet bis die gigantischen Schulden und damit auch das schuldenfinanzierte Phantomvermögen soviel an Wert verloren haben bis das Abzahlen wieder realistisch möglich wird.
Die Parteien in Deutschland und Europa sollten sich positionieren. Sollen die Schuldenlasten denen aufgebürdet werden, die davon am meisten profitiert haben, nämlich den älteren Generationen die ohne Schuldenbremse aus dem Vollen Kredite geschöpft haben, oder sollen die Schuldenlasten weiter und weiter in die Zukunft verschoben werden zu Lasten der heute arbeitenden und kommenden Generationen?
Eigentlich sind Inflation und Entwertung von Werten und Schulden die einzige sinnvolle Alternative. Wer sinnvoll in reale Werte investiert hat (gesunde Firmen mit realistischen Bilanzen, Grundbesitz etc.), dessen Werte sind auch durch Währungsturbulenzen nicht gefährdet.
Doch wessen Wohlstand in Geld und aufgrund von geschönten Bilanzen und unfähigen Ratingagenturen überbewerteten Firmen und Staaten steckt und damit aus Schulden "geschöpft" ist, dessen Vermögen dürfte gefährdet sein, denn alle Rettungsschirme und Bilanztricks werden nicht verhindern können dass der Kaiser Euro früher oder später ohne Kleider dastehen wird. Wo ungedeckte Schecks eingelöst worden sind muss irgendwann Soll und Haben wieder ausgeglichen werden. Verluste müssen abgeschrieben werden. Daran führt kein Weg vorbei.
Zahlreiche Verbesserungen an unserem Wirtschaftssystem werden notwendig sein; keine grundlegenden Änderungen, aber viele Detailverbesserungen.
1. Bilanzen sollten wieder nach dem ursprünglichen HGB-Ansatz ohne "fair value"-Ansatz oder "Überkreuzkompensation", das heißt nach dem "worst case"-/Niederstwertprinzip-Prinzip erstellt werden müssen, denn offensichtlich haben die Möglichkeiten, Werte "realistischer" (höher!) darstellen zu dürfen nur dazu geführt, dass Bilanzen voller Schrottpapiere aufgehübscht werden konnten. Ggf. sollten Bilanzprüfer zur Verantwortung gezogen werden können, wenn sie maroden Firmen eine einwandfreie Bilanz testiert haben. Anleger müssen (wieder) eine realistische Chance haben den wirklichen Wert und das wirkliche Risiko von Investitionen zu erkennen.
2. Der Handel von Anteilen an den Börsen soll durch ergänzende Richtlinien dahingegen reguliert werden, dass dieser Handel den Wohlstand der Menschen unterstützt und in der Realwirtschaft für einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage sorgt anstatt durch erratische Preisschwankungen bei bestimmten Gütern für Chaos und Unsicherheit zu sorgen. Der Hochgeschwindigkeitscomputerhandel, also quasi die Errichtung von Gelddruckmaschinen auf Kosten anderer Marktteilnehmer, zeigt dass am aktuellen System etwas von Grund auf nicht stimmt. Eine Finanztransaktionssteuer könnte ein Teil einer Lösung dieser Probleme sein.