Ich möchte mir mal die Mühe machen Herrn Hevelings Text einer kritischen Textanalyse zu unterziehen... puh! Das hier ist im folgenden Heveling-Text, der Rest bin ich :-)
Im übrigen habe ich darüber nachgedacht inwiefern es legitim und legal ist Herrn Hevelings Text abschnittsweise, aber komplett zu zitieren.
Da es sich bei dem Text laut Autor um einen politischen Diskussionsbeitrag handelt nehme ich an dass Herr Heveling hinnehmen muss dass ich seinen Text zwecks Analyse und Diskussion abschnittsweise in Gänze zitiere, da ich als Mitglied der Netzgemeinde und Pirat in besonderer Weise von Herrn Heveling angegriffen worden bin und mir im Rahmen der demokratischen Auseinandersetzung zwischen Parteien das Recht zustehen muss politischer Polemik entgegenzutreten.
Die aktuellen Diskussionen über die US-amerikanischen Gesetzgebungspläne „Sopa“ und „Pipa“ zur Regulierung des Internets verfügen über alle Elemente, um - endlich? - den lang erwarteten und von einigen vielleicht ersehnten „Clash of Civilizations“ zu provozieren.
Nun. "Sopa" und Pipa sind (Entwürfe für US-amerikanische) Gesetze die es ermöglichen Unternehmen den geschäftlichen Kontakt mit Urheberrechtsverletzern zu untersagen um diese zu isolieren und aus dem Geschäftsleben auszuschließen.
Diese Gesetze bzw. die Diskussion darüber sollen laut Heveling einen „Clash of Civilizations“ auslösen können. Da drängt sich die Frage auf, welche Gruppen da überhaupt aneinandergeraten sollen? Ich sehe da nur eine logische Antwort: Die Gruppe derjenigen, die an den Rechtsgrundsatz glauben dass (auch in den USA) eine Strafe nur diejenigen treffen sollte, die eine Straftat begangen haben auf der Seite des Rechtsstaates, und die Gruppe derjenigen, die der Meinung sind dass der Zweck des Urheberrechtsschutzes auch Mittel wie eine Art erweiterte Sippenhaft im Geschäftsleben rechtfertigt durch die legale Geschäfte mit Unternehmen verboten werden die das (amerikanische) Urheberrecht verletzen auf der Seite von Ansgar Heveling. Urheberrechtsverletzungen sind keine Schwerstkriminalität und kein organisiertes Verbrechen. Nur gegen diese Formen der Kriminalität wären meiner Meinung nach so drastische Maßnahmen wie von Sopa und Pipa vorgesehen als letztes Mittel gerechtfertigt.
Es ist der Kampf zwischen der schönen neuen digitalen Welt und dem realen Leben. Während die „digital natives“ den realen Menschen zum Dinosaurier erklären, vergessen sie dabei, dass es sich bei dieser Lebensform um die große Mehrheit der Menschen handelt. Auf Mehrheitsverhältnisse haben Revolutionen indessen nie wirklich Rücksicht genommen.
Hier konstruiert Herr Heveling einen Gegensatz den es nicht gibt - außer vielleicht in der Vorstellungs-Welt der Dinosauerier-Union. Reales Leben und digitale Welt sind sogar aus dem Alltag von Senioren nicht mehr wegzudenken die mit Email, Skype und WWW Kontakt mit Kindern, Enkeln und alten Freunden halten, Online-Banking und -Shopping betreiben und online Tickets buchen. Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland lebt heute auch "mit", "durch" und "über" das Internet.
Die mediale Schlachtordnung der letzten Tage erweckt den Eindruck, wir seien im dritten Teil von „Der Herr der digitalen Ringe“ angekommen, und der Endkampf um Mittelerde stehe bevor.
Ich bin nicht sicher was dieser Satz soll; möglicherweise sollen hier Kenntnisse mehr oder weniger aktueller Kultur unter Beweis gestellt werden, auch wenn "der Herr der Ringe" bereits zwischen 1945 und 1955 veröffentlicht wurde? Wie auch immer... wenn wir das Bild weiterdenken, wenn wir uns an das Thema von "Herr der Ringe" erinnern... wer passt dann besser in die Rolle des dunklen Herrschers, der Mittelerde unterjochen will - die milliardenschwere Content-Industrie, die ihre Netze auswirft um jedem kleinen Downloader die "Abmahn-Nazgul" vorbeizuschicken, per "Three Strikes" ins digitale Dunkel führen und ggf. ewig zu binden, oder die Streiter für Informationsfreiheit, Meinungsfreiheit, Transparenz und faire und ausgewogene Urhebervergütungen?
Das ist die Gelegenheit, schon jetzt einen vorgezogenen Nachruf auf die Helden von Bits und Bytes, die Kämpfer für 0 und 1 zu formulieren. Denn, liebe „Netzgemeinde“: Ihr werdet den Kampf verlieren. Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers, es ist die Perspektive eines geschichtsbewussten Politikers.
In 20 Jahren wird die "Generation MP3" das Gros der Politiker stellen, und der Widerstand der Ewiggestrigen gegen den unvermeidlichen Sieg des digitalen Zeitalters über die im Analogzeitalter geschaffenen und im Digitalzeitalter nicht mehr funktionierenden Geschäftsmodelle wird zusammenfallen! (Posaunen!)
Die Erkenntnis wird sich durchsetzen dass Urheberrechte nicht 70 Jahre bis nach dem Tod aller Miturheber gelten dürfen, sondern dass diese in einem vernünftigen und logisch konsistenten Verhältnis auch z.B. zu den Schutzfristen für Patente stehen müssen. Es ist unnötig dass Schutzrechte postmortal einer weiteren Generation ermöglichen die Werke eines Urhebers zu monopolisieren, und es ist unverschämt der Gesellschaft, auf deren Kultur aufbauend und durch diese inspiriert der Urheber sein Werk geschaffen hat, dafür mehr als 70 Jahre lang nichts zurückzugeben. Der selbsternannte "geschichtsbewusste Politiker" Heveling wird mit seiner Prophezeihung scheitern.
Auch die digitale Revolution wird ihre Kinder entlassen. Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird.
Die Kinder der digitalen Revolution sind heute die CEOs der wertvollsten Firmen der Welt. Das "Web 2.0", von dessen im übrigen überhaupt nicht wirklich trennscharf vom Web 1.0 abzugrenzenden typischen Techniken wie Client-Side-Scripting mit Websockets, JSON, Web-Services etc. illegale Downloadportale, Tauschbörsen etc. im übrigen in keinster Weise abhängig sind, wird weiterleben, größer werden, aber auf jeden Fall nicht kollabieren, sondern weiterleben so wie auch das Web 1.0 nicht aus dem Web verschwinden sondern Grundlage für vieles bleiben wird. Und digitales Blut... gibt es nur in Killerspielen. Und die darf man als lauterer Unions-Mann doch nicht spielen, Herr Heveling!
Denn es ist Aufmerksamkeit geboten. Auch wenn das Web 2.0 als imaginäres Lebensgefühl einer verlorenen Generation schon bald Geschichte sein mag, so hat es allemal das Zeug zum Destruktiven.
Es bleibt Herrn Hevelings Geheimnis was ein "imaginäres Lebensgefühl" ist, ob Gefühle überhaupt "real" sein können, welche Generation die "verlorene Generation" ist - und wer sie verloren hat; die Union vielleicht, als Wähler? Und was am Web 2.0 oder an "imaginären Lebensgefühlen" destruktiv sein soll und wem oder was die Destruktion droht bleibt schleierhaft, denn Herr Heveling verliert sich hier in Geschwafel. Fakt ist, das die Wirtschaft in Deutschland trotz oder wegen des Internets, trotz oder wegen des Web 2.0 in schwierigen Zeiten weiter wächst, gerade auch durch die Leistung der Generation die Herr Heveling in seinem Text zu Chaoten und Idioten abstempeln will.
Wenn wir nicht wollen, dass sich nach dem Abzug der digitalen Horden und des Schlachtennebels nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen, dann heißt es, jetzt wachsam zu sein.
Aha! "Imaginäre Lebensgefühle" und "Web 2.0" bedrohen nichts geringeres als Gesellschaft und Kultur. Anscheinend droht ein digitaler Atomkrieg eine kulturelle Endzeit zu hinterlassen - zum Glück aber wird immerhin die Sonne nicht verdunkelt werden. (Danke Herr Heveling!) Aber zurück zur Sache: Ein Datennetz zerstört nichts. Im Gegenteil, prinzipbedingt eignet es sich nur zur Verbreitung und Vervielfachung von Daten. Jegliche Zerstörung durch das Netz selbst ist völlig ausgeschlossen, denn wir reden hier nicht von "Skynet", sondern von harmlosen Datenleitungen, und wer sich wirklich schon einmal im Internet umgeschaut hat weiß auch: Das Internet *schafft* Kultur. Nicht die Art von Kultur vielleicht die arrivierte Bildungsbürger kurz vor der Rente für förderungswürdig halten, die mindestens 50 Jahre alt sein muss um Kultur[tm] zu sein. Aber dass das Internet Künstlern zum Durchbruch verholfen hat die andernfalls unbeachtet geblieben wären kann niemand ernsthaft bestreiten. Das Internet ermöglicht jedem mit jedem zu kommunizieren, unabhängig von Stand, Alter, Herkunft und gesellschaftlichem Status. Es macht die freiheitlich-demokratische Gesellschaft freiheitlicher, offener und demokratischer als es zuvor möglich war, es beeinflusst die Kultur, und zwar positiv, wie auch der Buchdruck zu einem Quantensprung der Meinungsfreiheit geführt hat.
Darum fragt man sich wirklich, warum es jetzt gelten sollte wachsam zu sein, denn dank des Internets sind täglich hunderttausende Bürger in ganz verschiedener Hinsicht wachsam und legen ihre Finger in die verschiedensten Wunden, ganz egal ob es um schlechten Journalismus in der Bild-Zeitung geht oder um irreführende Nährwertangaben auf Produkten oder erstaunliche Äußerungen von Unions-Politikern. Zugegeben, auch blödsinnige Verschwörungstheorien und Artikel von Herrn Heveling kursieren im Netz, aber wenigstens ist im Netz immer auch eine rationale Gegenposition nur einen Klick entfernt.
Also, Bürger, auf zur Wacht! Es lohnt sich, unsere bürgerliche Gesellschaft auch im Netz zu verteidigen!
Zur Wacht.... am Rhein? Wie auch immer, eins muss man Heveling lassen: Natürlich lohnt es sich, die bürgerliche Gesellschaft im Netz zu verteidigen! Nämlich gegen die Union, gegen Netzsperren, gegen Kommunikationsüberwachung, gegen "Three Strikes", gegen den Bundestrojaner, gegen die Versuche der Filmindustrie, Verlage und Verleiher, das gesamte aktuelle gefilmte, musikalische und geschriebene Kulturgut unserer Zeit für 70 oder besser noch 100 Jahre zu monopolisieren und damit der Gesellschaft den freien Zugang zu großen Teilen seiner eigenen, aus der Gesellschaft heraus entstandenen und inspirierten Kultur zu verweigern.
Diese bürgerliche Gesellschaft mit ihren Werten von Freiheit, Demokratie und Eigentum hat sich in mühevoller Arbeit aus den Barrikaden der Französischen Revolution heraus geformt - so entstand der Citoyen.
Im Grundgesetz, das Grundlage unserer bürgerlichen Gesellschaft ist und in das nach der französischen Revolution noch ca. 170 Jahren Erfahrung eingeflossen sind ist davon die Rede, dass Eigentum verpflichtet; auch die Enteignung von Eigentum ist durchaus möglich, wenn es für das Allgemeinwohl unerlässlich erscheint. Und gerade zur Zeit der französischen Revolution hätte man für die quasi-monopolistische "Feudalherrschaft" großer Verwertungsgesellschaften und Medienkonzerne über unsere Alltagskultur wohl wenig Verständnis gehabt. Darum verwundert es etwas das Herr Heveling ausgerechnet die französische Revolution bemüht beim Versuch seinen Punkt zu machen. Heute verstehen immer weniger Menschen, warum ein Patent teuer bezahlt werden muss um eine Erfindung mit erst aufwendig nachzuweisender Mindest-Schöpfungshöhe für maximal 20 Jahre zu schützen, aber das Urheberrecht kostenlos ist und mindestens 70 Jahre gilt. Und auch für manche Patente und andere Schutzrechte haben viele Menschen wenig Verständnis, wenn Sie Konzernen ermöglichen erprobte Kartoffelsorten aus dem Verkehr zu ziehen oder lebensrettende Medikamente auf Kosten der Solidargemeinschaft zu Höchstpreisen zu verkaufen, oder sogar den Versuch zu machen den Satz "Ich liebe es"[tm] zu monopolisieren.
Denn diese Menschen glauben wirklich dass Eigentum auch verpflichtet, nicht nur zur Bereicherung der Shareholder um jeden Preis. Und der Citoyen, der [Zitat Wikipedia] "Staatsbürger, der in der Tradition und im Geist der Aufklärung aktiv und eigenverantwortlich am Gemeinwesen teilnimmt und dieses mitgestaltet.", dieser Bürger ist heute Teil der Netzgemeinde, möglicherweise Mitglied der Piratenpartei, aber bestimmt kein Fanboy von Herrn Heveling.
Und genau dort, in den Gassen von Paris im Jahr 1789, wurde die Idee des geistigen Eigentums geboren.
1791 und 1793 wurden in Frankreich Gesetze zum Schutz von Autorenrechten verabschiedet, zugegeben - aber die Idee von vorübergehend geltenden Schutzrechten auf die Vervielfältigung von Werken gab es schon im Spätmittelalter. Wo wir schon dabei sind Bildung rauszukehren - bzw. unter Beweis zu stellen dass wir Suchmaschinen bedienen und bei Wikipedia abschreiben können.
Welche Errungenschaft wider die geistige Leibeigenschaft des Ancien Régime! Endlich konnte man - unabhängig von Herkunft und Status - mit seines Geistes Schöpfung wirtschaftlich etwas anfangen.
Heveling baut hier einen Popanz auf, versucht den Eindruck zu erwecken als wäre die "Netzgemeinde" prinzipiell gegen das Urheberrecht und für das "Recht" sich an den Schöpfungen anderer zu bereichern. Das Gegenteil ist der Fall, auch und gerade was die Piratenpartei angeht! Bei der Diskussion um das Urheberrecht geht es nicht um die Abschaffung des Urheberrechts, sondern um eine zeitgemäße Ausgestaltung: Zum einen um die Länge der Schutzfristen, die wirklich nicht bis 70 Jahre nach den Tod aller Urheber reichen dürften. Zum anderen geht es um die Rechte der wirklichen Urheber, die momentan meist von Verlagen und Verwertungsgesellschaften genötigt werden alle ihre Rechte abzutreten und dann am wenigsten von ihren größten Erfolgen profitieren, wie angeblich auch der bekannte Autor Janosch, der per "Flughafenvertrag" um die meisten Früchte seiner Arbeit gebracht worden sein soll.
Außerdem geht es um die Konsistenz des Systems der verschiedenen staatlich gewährten Schutzrechte wie Patent, Gebrauchsmusterschutz und Urheberrecht und darum, dass es in der Informationsgesellschaft möglich sein muss digitale Medien *irgendwie* bezüglich ihres urheberrechtlichen Status' zu kennzeichnen bzw. diesen in Erfahrung zu bringen. Hier fehlen noch gangbare Ansätze wie man überhaupt die Flut täglich produzierter urheberrechtlich geschützter Werke (also im Prinzip alles, was die Menschen im Internet so von sich geben, also zig Milliarden Werke pro Tag) im Griff behalten kann. Hier müsste man meiner persönlichen Meinung nach zurückgehen zu einem Copyright-Mechanismus, mittels dessen man Werke als geschützt registrieren oder explizit freigeben kann. Herr Heveling und seine Partei bieten hier keine Lösungen an, sie verweigern sich einer offenen Diskussion und versuchen den Status Quo zu zementieren der von vielen Menschen als ungerecht empfunden wird, was auch das Vertrauen der Menschen in das gesamt Rechtssystem negativ beeinträchtigt.
Niemand, ganz besonders nicht in der Piratenpartei, hat etwas dagegen dass Autoren oder Künstler die Früchte ihrer Arbeit ernten - aber die Netzgemeinde ist der Ansicht, dass das aktuelle Recht diese Aufgabe nicht erfüllt, die Interessen von Urhebern, Verwertern und Gesellschaft nicht richtig ausgleicht und dass vor allem der Schutz der Urheberrechts-Verwerter-Rechte nicht wichtiger sein darf als der Schutz der Bürgerrechte der breiten Masse, zu denen zum Beispiel das Kommunikationsgeheimnis gehört!
Diese Idee des geistigen Eigentums sollte sich als Motor für Innovation und Entwicklung auf dem europäischen Kontinent erweisen. Eine Idee, deren Bewahrung auch im digitalen Zeitalter lohnt. Sie ist im Netz in Gefahr. Nicht weil Bits und Bytes aus sich heraus wie kleine Pacmans an den Ideen und Idealen unserer bürgerlichen Gesellschaft knabbern würden.
Die Idee offener Standards und des Wettbewerbs bei der Implementierung von Konzepten hat sich im Zeitalter der Digitalisierung als Motor für Innovation und Entwicklung auf der ganzen Welt erwiesen, ebenso wie sich die durch Monopole ungehinderte Verbreitung von Wissen in Schwellenländern, aber auch im Deutschland des Zeitalters der Industrialisierung als Motor für Innovation und Entwicklung erwiesen hat. Diese Erkenntnis sollte man nicht verleugnen, nur weil Teile der Content-Industrie Teile unserer Kultur und des Weltwissens weiterhin am liebsten für mehr als 70 Jahre für sich behalten wollen. Die Idee des geistigen Eigentums ist nicht in Gefahr, schon allein weil man "Meme" nicht vernichten kann, und das Urheberrecht ist nicht in Gefahr, weil niemand vorhat es komplett abzuschaffen. Das einzige was in Gefahr ist ist die aktuelle Umsetzung des Urheberrechts mit ihren inkonsistenten und übertriebenen Schutzdauern, mit den teils lächerlich hohen Strafen für Urheberrechtsverletzungen, mit dem Verbot von Privatkopien und der strafrechtlichen Bedrohung der Umgehung von Kopierschutzmechanismen. Eine Umsetzung die den Bürger unangemessen benachteiligt weil sie es ihm nicht erlaubt legal erworbene Inhalte in neue Formate oder auf neue Geräte zu überspielen. Eine Umsetzung die dem Bürger wenig Chancen gibt sich rechtskonform zu verhalten, weil es oft keine Möglichkeit gibt herauszufinden ob ein Text oder eine Grafik oder ein Bild "frei" ist oder womöglich Getty Images oder sonstwem gehört.
Nein, es sind die Menschen, die hinter den Maschinen sitzen und eine andere Gesellschaft wollen. Die die totale Freiheit apostrophieren und damit letztlich nur den „digitalen Totalitarismus“, wie es Jaron Lavier genannt hat, meinen.
Es ist schwierig herauszufinden was Jaron Lavier genau gesagt hat, zumal er in Wirklichkeit Jaron Lanier heißt. Außerdem nutzt Heveling Jaron Laniers Schriften Digital Maoism und Aou are not a gadget nur zum Name-Dropping und zum vermeintlichen Beweis seiner umfassenden Beschäftigung mit der Materie. Lavier kritisiert in seinen Schriften unter anderem, dass Gruppen-Wissen bewiesenermaßen oftmals nicht an das Wissen von Einzelnen heranreicht, dass es also im Prinzip keine gute Idee ist in einer Enzyklopädie wie der Wikipedia die "Wahrheit" durch Gruppenentscheid zu bestimmen. Aber Laniers Kritikpunkte an bestimmten Massen-Phänomenen im Web sind weder neu ("Die Psychologie der Masse" ist ein eher altes Buch), noch taugen sie als Argument gegen die "Netzgemeinde", die glücklicherweise nicht komplett gleichgeschaltet ist (und, wie die Union öfter leidvoll erfahren musste, auch mit Bild und Glotze kaum mehr gleichzuschalten ist, man denke an die Netzsperren die gegen den Popanz "Kinderpornos" dringendst eingeführt werden sollten, oder an die Vorratsdatenspeicherung, die sich als nutzlos erwiesen hat) und innerhalb derer immer die Möglichkeit besteht dass, wenn ein bestimmtes Level von Unzufriedenheit erreicht ist, eine Alternative zum Bestehenden entsteht. Im Internet ist Opposition immer und überall möglich und findet in der Regel auch statt. MySpace wurde von Facebook verdrängt, Altavista von Google, Netscape von Microsoft von Firefox von Chrome; der geschichtsbewusste Netizen weiß, dass im Netz alles im Fluss ist (πάντα ῥεῖ, Herr Heveling). Solange Internet-Zugriff noch einigermaßen anonym möglich ist wir es nie einen "digitalen Totalitarismus" geben der auch nur ansatzweise an das heranreicht was wir in Deutschland, Europa, der Welt und innerhalb von Unions-nahen Organisationen wie der z.B. der katholischen Kirche oder dem Bund der Vertriebenen schon an real existierendem Totalitarismus gesehen haben. Herrn Hevelings alarmistische Warnung vor dem Totalitarismus ist also wieder nur ein Versuch, von den Schwächen der eigenen Position abzulenken und durch laute Rhetorik die Uninformierten für seine Sache einzunehmen. Es ist die Unwahrheit dass die Netzgemeinde vorhabe Urheber zu enteignen, und es ist abwegig dass man ein offenes und freies Netz benutzen könne um ein totalitäres System zu errichten.
Es ist eine unheilige Allianz aus diesen „digitalen Maoisten“ und kapitalstarken Monopolisten, die hier am Werk ist. Auch wenn sie sagen, sie seien die Guten - nur weil man sagt, man sei gut, ist man es noch lange nicht.
Mit den "kapitalstarken Monopolisten" müssen hier Facebook und Google und vielleicht Apple gemeint sein. Doch so groß die Vorherrschaft von Facebook und Google auch im Moment sein mag: Sie sind keine wirklichen Monopolisten, und wenn Software-Patente und Patent-Cyber-Squatting in Europa irgendwann - vielleicht dank der Piraten, gegen die Bemühungen der Union! - komplett abgeschafft und verboten worden sein werden, dann werden Innovation und Wettbewerb auch in Zukunft verhindern dass sie wirkliche Monopolisten werden. Innovation und Wettbewerb werden durch Patent-Trolle und Patent-Oligopole bedroht. Die Patent-Pools der Großkonzerne stellen heute schon teils unüberwindbare Markteintrittsbarrieren für neue Wettbewerber dar. Auch bei den Patenten müssen daher die Regelungen des "geistigen Eigentums" neu gedacht und überarbeitet werden damit die soziale Marktwirtschaft weiterhin funktionieren kann. Gegner einer solchen Überarbeitung sind Menschen wie Ansgar Heveling. Menschen die aus einem irrationalen konservativen Abwehrreflex gegen alles Neue lieber die Asche bewachen als das Feuer zu behüten und Artikel schreiben die zeigen dass die Geisteshaltung der McCarthy-Ära auch heute noch bei den sogenannten Netzpolitikern der Union fröhliche Urstände feiert.
Nun haben Wikipedia und Google in den letzten Tagen ihren starken Arm gezeigt. Doch Googles und Wikimedias dieser Welt, lasst euch zurufen: Auch wenn Wikipedia für einen Tag ausgeschaltet ist und Google Zensurbalken trägt, ist das nicht das Ende des Wissens der Menschheit.
Google und Wikipedia haben niemals behauptet das Wissen der Menschheit exklusiv zu bewahren. Sie haben gegen ein geplantes Gesetz demonstriert das die Betreiber von Suchmaschinen oder auch Enzyklopädien für von andere erstellte Inhalte haftbar hätte machen können, indem sie die möglichen Folgen der Verabschiedung des Gesetzes illustriert haben. Punkt. Hier behauptet Heveling einen unwahren Sachverhalt um diese angebliche Position angeblicher Gegner angreifen und widerlegen zu können. Rhetorisch schön, aber argumentativ natürlich äußerst entlarvend; nur wer keine Argumente gegen die wahre Position seiner wirklichen Gegner hat muss Scheingegner aufbauen und Scheinargumente bemühen um beim Schattenboxen zu punkten.
Welche Hybris! Lasst euch gesagt sein: Das Wissen und vor allem die Weisheit der Welt liegen immer noch in den Köpfen der Menschen. Also, Bürger, geht auf die Barrikaden und zitiert Goethe, die Bibel oder auch Marx. Am besten aus einem gebundenen Buch!
Welche Dreistigkeit, was für ein "Strohmann-Argument"! Aus einer legitimen Demonstration gegen ein Unrechts-Gesetz macht Herr Heveling einen Akt chauvinistischer (All-)Machtdemonstration vermeintlich durchgeknallter Internet-Großmächte, um dann einen Gegensatz zwischen der Gruppe der "normalen, anständigen, Union-wählenden Bildungsbürger" und diesen herbeikonstruierten dunklen Mächten konstruieren zu können. Wo es doch in Wirklichkeit um einen Konflikt zwischen der US-Medien-Industrie und dem Rest der Welt geht, der mit Bürgern und Wissen nur am Rande zu tun hat.
Natürlich verändert die fortschreitende Digitalisierung unsere Gesellschaft. Vieles wird einfacher. Auch dieser Text ist mit Hilfe der Errungenschaften der Digitalisierung entstanden. Aber wir sollten uns zu wehren beginnen, wenn einzelne Menschen hinter den vielen Maschinen uns unsere Lebensentwürfe vorschreiben. Noch ist es dazu nicht zu spät.
"Einzelne Menschen hinter Maschinen"... lieber Herr Heveling... basteln Sie Sich gerade eine Verschwörungstheorie? Welche kleine Clique steckt denn hinter den vielen Maschinen? Na? Die Freimaurer, die Illuminaten, vielleicht Dr. Evil... oder am Ende gar diese eine Religionsgemeinschaft, sie wissen schon? Wie tief sind Sie eigentlich gesunken dass Sie per angedeuteter Verschwörungstheorie die Volksmassen zum Widerstand gegen eine imaginäre Clique auffordern, die in Ihrem Kopf anscheinend hinter Maschinen versteckt die Demokratie vernichten und jedermann kontrollieren wollen?
Wie auch immer. Als Mitglied einer Partei die beim Vorschreiben von Lebensentwürfen führend ist (Ladenschluss, Herdprämie, Ehegattensplitting...) sollten Sie vielleicht besser still sein.
Wir dürfen die Gestaltung der Zukunft nicht denen überlassen, die sich als digitale Avantgarde verstehen und meinen, sie wüssten, was das Beste für die Masse Mensch vor den Maschinen sei.
Eine kleine Gruppe die glaubt zu wissen, was das Beste für die Menschen ist und die sich als politische Avantgarde versteht ... müsste das nicht Ihrer Meinung nach die Union sein? Der dürfen wir die Gestaltung der Zukunft wirklich nicht überlassen, Herr Heveling! ;-)
Piraten sind jedenfalls dabei der schlechteste Ratgeber. Sie achten das Eigentum des anderen nicht, setzen ihr Wissen nur für den eigenen Vorteil ein, sind darauf bedacht, zusammenzuraffen, was sie von anderen kriegen können.
Herr Heveling hat, wie berichtet wird, in seinen Newslettern urheberrechtlich geschütztes Material verwendet. Und offensichtlich keine Ahnung von den differenzierten Überlegungen innerhalb der Piratenpartei bzgl. des aktuellen Urheberrechts. Er sitzt also im Glashaus, wirft mit Steinen, und beleidigt und verleumdet nebenbei zehntausende Bürger die sich in einer neuen politischen Partei formiert haben weil sie sich von irrlichternden verbalen Amokläufern wie Herrn Heveling nicht mehr vertreten fühlen. Kann ich eigentlich als Piraten-Partei-Mitglied Anzeige erstatten wegen dieser Beleidigungen?
Und offensichtlich sind Narzissmus und Nerdzismus Zwillinge. Natürlich soll niemandem verboten werden, via Twitter seine zweite Pubertät zu durchleben. Nur sollte man das nicht zum politischen Programm erheben.
Wer twittert - vielleicht, weil er nicht die Möglichkeit hat im Handelsblatt zu veröffentlichen? - ist also ein Narziss. Nerds sind generall auch Narzissten. Wer seine Meinung per Twitter kundtut - möglicherweise um am Prozess der freien und demokratischen Willensbildung Anteil zu haben - und nicht Herr Heveling oder zumindst ein durch Gottes Willen in den Stand des Bundestagsabgeordneten eingesetzter Auserkorener ist, der ist infantil.
So also schätzt Herr Heveling die Aktivitäten vieler Menschen im Internet ein. Wer sich in die Debatte einmischt, wer von seinem Recht auf Meinungsäußerung Gebrauch macht, der muss einfach ein infantiler Narziss sein, denn der gute[tm] Bürger bzw. Citoyen[tm], der würde das Politik-Machen ja irren Polterern wie Herrn Heveling überlassen, die natürlich niemals in den Verdacht geraten könnten, narzisstisch oder infantil zu sein.
Und wir werden in diesem Abschnitt davor gewarnt die per Twitter erlebte zweite Pubertät zum politischen Programm zu erheben. Bestimmt sind wir alle für diese Warnung dankbar, was auch immer damit gemeint sein soll.
Jetzt haben wir noch die Zeit, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Wir brauchen den Citoyen, dem Werte wie Freiheit, Demokratie und Eigentum auch im Netz am Herzen liegen.
Irgendeinem Treiben muss Einhalt geboten werden. Nämlich, wenn man es mal zusammenfasst, dem Treiben der "narzisstischen infantilen maoistischen digitalen Totalitaristen", die das Eigentum nicht achten, Fortschritt und Innovation das Genick brechen wollen, mit finsteren Monopolisten unter einer Decke stecken und sich im übrigen hinter Maschinen verbergen, von denen aus sie das Wissen kontrollieren und unsere Lebensentwürfe diktieren wollen, damit sie letzten Endes alles stehlen können was ihre kleinen dreckigen Verschwörerfinger abgreifen können.
Das ist also die Weltsicht von Herrn Heveling. Das ist deshalb tragisch, weil Herr Heveling Volksvertreter ist und für die Union in der Enquete-Kommission des Bundestages für Internet und digitale Gesellschaft sitzt.
Denn diese Weltsicht hat mit der Realität nichts zu tun. Herr Heveling hat sich so gut in seiner schwarz/weißen Phantasie-Unions-Welt eingerichtet, dass er seine eigenen Lügen, Behauptungen und Halbwahrheiten für die Wahrheit hält.
Sein Text ist ein demagogisches Pamphlet, ein Ammenmärchen, eine Gruselgeschichte, schwarz-weiß gemalt. Er entwirft das Zerrbild von aufrechten Bürgern deren Lebensentwürfe von einer Verschwörung gefährlicher maoistischer totalitaristischer infantiler narzisstischer Diebe mittels Internet bedroht wird, obwohl so eine Bedrohung weit und breit nicht zu sehen ist, wie jeder denkende Menschen einfach wird nachvollziehen können.
Angesichts des Ausmaßes der Abweichung der Sicht von Herrn Heveling vom common sense eines "Netizen" bleibt einem da beim Lesen seines Traktats erstmal die Luft weg. Heveling verdreht alles, um fast 180°. Darum hat diese Replik solange gebraucht.
Sicherheitshalber will ich noch mal ein paar Punkte klarstellen:
Herr Heveling behauptet für die Bürger gegen Monopolisten und dunkle Mächte zu kämpfen, doch in Wirklichkeit kämpft er gegen die Bürger, für die Aushebelung von Rechtsstaat und Bürgerrechten im Interesse von Konzernen und Kartellen.
Er beschwört die Angst vor Fremdbestimmung, Enteignung und Maoismus, doch ist es er der Überwachung, Gängelung und Entrechtung aller zu Gunsten weniger durchsetzen will.
Er behauptet das im Interesse von Fortschritt und Innovation zu tun, doch seine Forderungen würden das Internet wie wir es kennen zerstören und damit Wissensaustausch, Fortschritt und Innovation hemmen.
Diese Verdrehung der Wirklichkeit ist keine "Zuspitzung" wie von ihm behauptet, es ist übelste negative politische Propaganda. Heveling ist ein Demagoge der mit fragwürdigsten Mitteln kämpft.
Dieser Mensch hat mit seiner Einstellung, mit seinem halbgaren Geschichtswissen und seinem nicht vorhandenen Niveau der politischen Auseinandersetzung nicht verdient das deutsche Volk zu repräsentieren. Wer Argumente durch Lügen und Rabulistik substituiert weil Ignoranz, Maßlosigkeit und Wut (alles Todsünden) zu seinen Charakterfehlern gehören, der sollte von einer angeblich christlichen Partei nicht wieder aufgestellt, sondern ins Kloster geschickt werden. Da gibt es dann vielleicht auch kein Internet vor dem Herr Heveling Angst haben muss.