Männer-Höchstquote!

Die Forderungen nach einer Frauenquote auch in der FDP lassen mir keine Ruhe.

Natürlich, die Idee, dass mehr Frauen sich engagieren würden, wäre nicht die Männerquote so erdrückend hoch, hört sich einleuchtend an. Und zumindest scheinbar hat die Frauenquote bei den Grünen zum hohen Frauenanteil von 37% der Mitglieder geführt.

Andererseits fragt man sich, ob nicht diese Quotierung dazu geführt haben kann, dass eine Figur wie Claudia Roth in höchste politische Ämter gespült worden ist - und dann natürlich, ob das nicht ein Grund sein sollte Frauenquoten generell und weltweit zu verbieten...

Aber Spaß beiseite - es gibt verschiedene Aspekte der Frauenquote, die mir diskussionswürdig erscheinen.

Erstens natürlich die Nachhaltigkeit des Quotierungserfolges, das heisst: Wenn tatsächlich 40-50% Frauenquote in politischen Organisationen erreicht worden sein sollten, würde dann der Anteil von Frauen im politischen Geschäft nach einer Abschaffung von Quotierungen stabil bleiben, oder ist das natürliche Interesse von Frauen an der Politik doch eher geringer als das von Männern? Vielleicht wird man dies ausprobieren müssen, um die Antwort zu erfahren.

Zweitens ist es fraglich, ob das Kriterium "biologisches Geschlecht: weiblich" zu Recht so hervorgehoben und quotierungstechnisch bevorzugt behandelt wird. Warum wollen wir ausgerechnet den Anteil von Frauen in der Politik auf das Niveau des Frauenanteils in der Gesamtbevölkerung bringen? Wäre es nicht ebenso ratsam, den Anteil von jungen / alten Menschen in der Politik an den Anteil in der Gesamtbevölkerung anzupassen, oder den Anteil von Erwerbslosen, oder den Anteil von Asthmatikern, Rothaarigen oder Fleischfachverkäuferinnen im Einzelhandel? Warum ist die Kategorie "biologisches Geschlecht" so wichtig? Sind nicht in Deutschland alle Menschen vor dem Gesetz gleich?

Drittens ist eine Frauen-Mindest-Quote zwingend eine Männer-Höchst-Quote. Man fragt sich, was an Männern so schlimm ist, dass man eine Männer-Höchst-Quote einführen will. Sind Männer automatisch Frauen-Unterdrücker? Bisher ist mir nicht aufgefallen, dass Frauen auf irgendwelchen Veranstaltungen nicht stets wohlwollend behandelt worden und auch gewählt worden wären.
Und da laut Verfassung alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind - wie kann man da ernsthaft auf die Idee kommen, es wäre okay das demokratische Engagement einer aufgrund eines willkürlichen Merkmals ausgewählten Gruppe von Menschen per Höchstquote zu beschränken?

Viertens uns letztens frage ich mich, ob nicht eine Männer-Höchstquote auch ein Modell für weitere Höchstquoten sein müsste, um auch an meinem zweiten Punkt nochmal anzuknüpfen.
Im Bundestag sitzen sehr viele Lehrer, Juristen und BWLer, und eher wenige Vertreter anderer Berufsstände. Sollte man nicht, wenn man schon eine Quotierung nach dem angeborenen Merkmal "Geschlecht" in Betracht zieht, nicht auch eine Quotierung nach dem weniger ungerechten, da veränderbaren Merkmal "Beruf" in Erwägung ziehen? Wäre es nicht wünschenswert, wenn Politik nicht zum Großteil von ganz wenigen Berufsgruppen geprägt würde? Ist nicht der Unterschied der politischen Denkweise zwischen einem BWLer und einer BWLerin tendentiell kleiner als der zwischen Juristen und Handwerkern?

Denken sie mal darüber nach... und sagen mir dann, was für die Frauenquote spricht :-)