Der tragische Tod von drei Babies in Mainz hat das Land in Aufruhr versetzt. Damit die Babies nicht umsonst gestorben sind... oder auch nur zur eigenen Profilierung fordern deshalb sofort ein paar Politiker die Einführung von Hygienestandards in den Ländern bzw. an allen Krankenhäusern.
Aus ärztlich-fachlicher Sicht sind sie damit nur um die 20 Jahre zu spät, denn schon seit 1990 gibt es die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, die Richtlinien für die Krankenhaushygiene herausgibt, von denen man im übrigen auch am allerletzten Provinzkrankenhaus unserer Republik schon gehört haben soll.
An eigentlich jeder Klinik gibt es spezielle Hygienebeauftragte, an der Uniklinik Erlangen nicht weniger als sechs. Zur Aus- und Weiterbildung von Klinikärzten gehören natürlich auch Hygiene-Kurse.
Darum ist es völlig absurd, wenn jetzt so getan wird, als ob Hygiene-Probleme in den Kliniken an mangelnder Ausbildung oder mangelnden Richtlinien liegen würden.
Fehler bei der Hygiene entstehen - meiner Überzeugung nach - vor allem aus Zeitdruck bzw. Personalmangel.
Klinikärzte und Pflegepersonal arbeiten unter hohem Zeitdruck, leisten oft unbezahlte Überstunden, haben keine freie Minute, und womöglich nicht zwischen jedem Patienten Zeit für 30 Sekunden Händedesinfektion und anschließende Hautpflege... die notwendig ist, weil man Hände nicht beliebig oft waschen und desinfizieren kann, ohne sie dadurch kaputtzumachen.
Die Lösung für das "Hygieneproblem" sind nicht weitere Vorschriften sondern mehr Geld für Personal. Solange Kliniken in Deutschland so schlecht verdienen, dass am Personal gespart wird wo es nur geht und ein wirtschaftlicher Betrieb nur bei kreativer Auslegung von Steuergesetzen und Abrechnungsvorschriften möglich ist (wie aus Kreisen erfahrener Klinik-Bilanzprüfer zu erfahren war), wird Überlastung in deutschen Kliniken an der Tagesordnung sein und entsprechend viele Fehler werden gemacht werden. Babies werden sterben! Und wir werden die Schuld nicht den böswilligen Ärzten und dem bösen Pflegepersonal geben können, sondern nur unserem System, dass durch den perversen Kosten- und Zeitdruck in den Krankenhäusern kleine und große Nachlässigkeiten und Fehler überarbeiteter Ärzte und Laboranten geradezu provoziert.
Nachtrag: Die Verschmutzung der Nährlösung ereignete sich anscheinend bei der Anlieferung durch eine minimale Beschädigung der Verpackung. Die Hygiene im Krankenhaus hatte nichts mit dem Vorfall zu tun...
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Ganz meine Rede
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