Obwohl die FDP 1974 maßgeblich an der Etablierung des Bundesumweltamts als Unterabteilung des Innenministeriums beteiligt war, wurde in den 1980er Jahren die historische Chance verpasst, das Thema Umweltschutz für die FDP zu besetzen. Denn obwohl die FDP z.B. in den 1980er Jahren für die schnellere Einführung von Katalysatoren und unverbleitem Benzin eintrat (was der Spiegel damals als Schlag gegen die sozial Schwachen zu kritisieren glauben musste), war der Umweltschutz für die FDP nie ein Kernthema.
Die Grünen haben darum mittlerweile den Umweltschutz zu ihrem Markenkern gemacht.
Doch Umweltschutz ist ein Thema, das auch bei den Liberalen gut untergebracht wäre. Schließlich ist Umweltschutz nichts anderes als die Bewahrung der Umwelt vor irreparablen Schäden, was man aus liberaler Sicht vielleicht wirtschaftsliberal als Bewahrung der Grundlage allen Wirtschaftens oder freiheitstheoretisch als notwendige Beschränkung der Freiheit der Allgemeinheit die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen zu zerstören begreifen kann.
Doch bisher hat die FDP im Kampf mit dem politischen Gegner "Grüne" (manchmal ziemlich krampfhaft) versucht, sich von diesem abzugrenzen, leider auch im Bereich Umweltschutz, leider auch in Bezug auf Themen wo die Grünen womöglich doch recht gehabt haben - man denke an das Thema "Gefahren der Atomkraft".
Dadurch hat man den Grünen erst ermöglicht, den Umweltschutz zu ihrem Markenkern auszubauen und dieses sympathische und beliebte Thema zu einer Art grünen Quasi-Monopol zu machen.
Das muss jetzt aufhören. Die FDP muss die letzten 30 Jahre als "Partei der Wirtschaft" und - womöglich - der "ökologischen Kälte" jetzt hinter sich lassen, nach vorn schauen und sich im Streit um die besten Lösungen für die gesellschaftlichen Probleme an die Spitze vorkämpfen.
Für die erneuerbaren Energien brauchen wir Speichertechnologie und leistungsfähigere Stromnetze. Die Grünen und ihre teils esoterische-abgedrehten Anhänger mit ihrer Angst vor Elektrosmog sind nicht die Partei, die den Weg in eine Zukunft mit erneuerbaren Energien, wo Solarkraft aus Portugal in Österreich genutzt werden kann und wo in Berlin nicht der Strom ausfällt wenn in Brandenburg Flaute herrscht gangbar machen kann. Dafür braucht es eine Kraft, die ohne Angst, mit Zuversicht, aber auch - im Gegensatz zu bisher - ohne unreflektiertes Vertrauen auf die Technologie die Entwicklung in die richtige Richtung vorantreibt.
Die FDP kann ein eigenes ökologisches Profil entwickeln. Ein Profil, das nichts mit Öko-Einsiedlertum, esoterischem Gedöns und Selbstkasteiung zu tun hat, sondern mit Lebensbejahung bei gleichzeitiger Selbstbeschränkung auf nachhaltiges, umweltverträgliches wirtschaften.
Die FDP muss das "Apple" der Umweltpolitik werden - hipp, modern, klar, einfach verständlich, und im Gegensatz zu Apple auch umweltfreundlich.
Das ist die Chance für die FDP, die Grünen in Sachen Umweltschutz zu überholen, ihren Markenkern anzugreifen, aufzugreifen und zu vereinnahmen.